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Metropolitane Kultur und urbane Liturgie (Auszug)

Last Supper Projekt, 2005
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Last Supper Projekt, 2005
Foto: Jörg Baumann

„Wir leben, wir sterben und wir lieben nicht auf einem rechteckigen Blatt Papier. Wir leben, wir sterben und wir lieben in einem gegliederten, vielfach unterteilten Raum mit hellen und dunklen Bereichen, mit unterschiedlichen Ebenen, Stufen, Vertiefungen und Vorsprüngen, mit harten und weichen, leicht zu durchdringenden, porösen Gebieten. Es gibt Durchgangszonen wie Straßen, Eisenbahnzüge oder Untergrundbahnen. Es gibt offene Ruheplätze wie Cafés, Kinos, Strände oder Hotels. Und es gibt schließlich geschlossene Bereiche der Ruhe und des Zuhause. Unter all diesen verschiedenen Orten gibt es nun solche, die vollkommen anders sind als die übrigen. Orte, die sich allen anderen widersetzen und sie in gewisser Weise sogar auslöschen, ersetzen, neutralisieren oder reinigen sollen. Es sind gleichsam Gegenräume. Das heißt, die Orte, welche die Gesellschaft an ihren Rändern unterhält, sind für Menschen gedacht, die sich im Hinblick auf den Durchschnitt oder die geforderte Norm abweichend verhalten.“ 

Last Supper Projekt, 2005
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Last Supper Projekt, 2005
Foto: Jörg Baumann
Diese Art von Gegenräumen an den Rändern unserer Gesellschaft werden von Michel Foucault als Heterotopien beschrieben, und es ist sehr nahe liegend und angemessen, diese Begrifflichkeit für die Ecke Weser-/Gutleutstraße im Frankfurter Bahnhofsviertel ebenfalls zu gebrauchen, denn hier liegen an einem Ort ein Diakoniezentrum und eine Diakoniekirche. Um diese Ecke soll es im Folgenden gehen, einem Gegenraum im Umfeld von Globalbanking und kosmopolitischer Stadtentwicklung, in dem die neuerdings wieder geforderte „Freiheit für barmherziges Handeln“ eindrücklich erprobt werden kann. An einem Ort setzen WESER5 Diakoniezentrum und Weißfrauen Diakoniekirche bereits ein sichtbares Zeichen, also ein mögliches Leuchtfeuer, wie es die Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert fordern: Hier kann „die Verwurzelung der menschlichen Barmherzigkeit im Glauben an die bedingungslose Barmherzigkeit Gottes zur Sprache“ gebracht werden.

 

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